Manche Orgeln sind echte Schätzchen! Die kleine Kirche von Olnhausen liegt malerisch am Hang und beherbergt eine anmutige Orgel, die auf den „hohenloher Silbermann“ Georg Ludwig Mezler zurückgeht, der zwischen 1779 und 1811 in Steinbach bei Schwäbisch Hall tätig war. Im Jahr 1800 wurde das Olnhausener Instrument vollendet und präsentiert sich in einem typisch bewegten mezlerischen Gehäuse. Mezler war Orgelbauer mit Leib und Seele.  An das Pfarramt Rot am See schrieb er im Jahr 1792: „Denn meine Getancken und Indention gehen allzeit dahin, daß ein Orgelwerck zur Gottes Verehrung angeschafft und gespihlt wird, mithin der äußerste Fleiß müßthe angewendet werden bei der Verferthigung solger zum Dienste Gottes gewidmeten Werker.” Auch in Olnhausen ist diese anrührende Haltung an seinen beschrifteten Holzpfeifen mit ihrem stets angewandten Zirkelschlag am Labium ablesbar.
Unsere Arbeiten, abgestimmt mit OSV Hans-Martin Braunwarth,  hatten über die notwendige Ausreinigung und Entschimmelung hinaus das Ziel, das Instrument in den Grenzen enger Kostenvorgaben seinem Urcharakter im Rahmen des derzeit Möglichen anzunähern.
Von Mezler erhalten sind über das hübsche Gehäuse hinaus weite Teile der technischen Anlage. Das Gehäuse konnte durch Wiederanbringen mutmaßlich originaler Eisenstreben stabilisiert werden. Im Mechanikbereich wurden die stark ausgespielten Pedalwinkel neu ausgetucht und aufgedoppelt, um seitliches Spiel und die enorme Geräuschentwicklung zu mindern. Auch die Fütterung der Durchgangsöffnungen für die Registerzüge mit Papier und Leder wirkte sich geräuschmindert aus.
Die Windanlage ist neueren Datums; hier wurde von uns hinter der Orgel ein neuer Keilschwimmer auf freiem Wind installiert; der vorhandene Schwimmer, zuvor regulierend, wurde als reiner Stoßfänger beibehalten. Der Winddruck wurde an den bei Mezler üblichen angeglichen und beträgt nun 60mmWS.
Während die Holzpfeifen dieser Orgel ziemlich vollständig auf Mezler zurückgehen, sind von den Metallregistern immerhin in Quinte 2 2/3‘ und Octave 2‘ Mezler-Pfeifen erhalten, wenn auch stark überarbeitet. Der Großteil des Metallpfeifenwerks wurde 1951 von der Firma Link durchaus qualitätvoll ersetzt, bemerkenswerter Weise unter Berücksichtigung der mezlerschen Mensuren. Bei diesen Arbeiten wurde auch der Pedalumfang um eine Oktave bis f’ erweitert. Die originale diatonische Lade blieb dabei erhalten und wurde im Diskant chromatisch fortgeführt.
Ausgehend von den Erfahrungen mit der von uns 2008 restaurierten Mezler-Orgel in der Urbanskirche in Schwäbisch Hall und in Kenntnis weiterer mehr oder minder gut erhaltener Instrumente dieses Meisters wurden die umfassenden Intonationsarbeiten am vorhandenen Pfeifenwerk mit der Intention ausgeführt, sich der orginalen Klanglichkeit bestmöglich anzunähern. In diesem Sinne wurde auch die Zusammensetzung der Mixtur nach dem Vorbild in der Urbanskirche (mit Terzchor im Bassbereich) geändert.
Leider gibt es keine Gewissheit, nach welchem System Metzler ursprünglich gestimmt hat. Soweit noch ersichtlich, ist jedoch die Wiegleb-Stimmung (ermittelt 1991 von W. Th. Meister) dicht am vorhandenen Bestand. So war ihre Verwendung naheliegend und brachte ein erfreuliches und zum Instrument passendes Ergebnis. Die Klanglichkeit der Olnhausener Mezler-Orgel bewegt sich zwischen spätem Barock und beginnender Romantik und erinnert an das Wirken eines um 1800 in der Region hoch geschätzen Orgelbauers. Nach Meinung unserer Kolleg*innen, die in Olnhausen gearbeitet haben, ist die Mezler-Orgel nicht bloß ein Schätzchen, sondern ein veritabler Schatz!


Manual C-f'''
Großgedackt   8'
Salicional   8'
Viola da Gamba   8'
Principal   4'
Gedacktflöte   4'
Quinte   2 2/3'
Octave   2'
Mixtur 3f.   1'
Zimbelstern  
Pedal C-f1 (original bis f°)
Subbaß   16'
Violonbaß   8'
Choralbaß   4'
Pedal-Koppel  

mechanische Schleifladen
Temperierung: Wiegleb nach Meister (A 0/ B 5,9/ H -1/ C 8,8/ Cs 0/ D 2,9/ Ds 3,9/ E 0/ F 7,8/ Fs -2/ G 5,9/ Gs 2)

Zusammensetzung der Mixtur:

C            1             4/5              1/2
c°        1 1/3           1                4/5
c1           2            1 1/3             1         
c2       2 2/3          2               1 1/3
c3          4           2 2/3             2