Manual C-g'''
| Copula | 8' |
| Flauten | 4' |
| Octav | 2' |
| Terzcymbel 2f |
Der Beruf des Orgelbauers, so sagt man, zieht Idealisten an. Das mag schon sein. Auf jeden Fall regt er zur Kreativität an und trägt dazu bei, unsere Welt lebenswerter zu machen. Die kleine Orgel, um die es hier geht, wurde ursprünglich, vermutlich in den 60ern oder frühen 70ern, von Kurt Oesterle (Reichenbach/Fils) gebaut und nachträglich um ein angehängtes Pedal erweitert. Die Firma Mühleisen benutzte sie einige Jahre als Leihinstrument, und auf diese Weise tat sie in kleinen und auch großen Kirchen sogar bis in Norwegen ihre Dienste. Dabei wäre sie einige Male beinahe verkauft worden, doch die spröde Optik sorgte wohl mit dafür, dass sie immer wieder ihren Weg nach Leonberg zurück fand. Da der Transport und Aufbau mit mindestens vier Personen stets recht mühsam war (mal abgesehen vom traditionellen Herabfallen und Wiederankleben der empfindlichen Teleskophülsen, die beim Auf- und Abbau exponiert und ohne Schutz waren), fristete sie die letzten Jahre unter einer Plane in einer als Lager angemieteten Scheune ihr Dasein. Die eigentliche Geschichte begann an dem Tag, an dem der langjährige Mühleisen-Mitarbeiter Christof Lehnert vorsichtig die verstaubte Plane anhob und gar nicht anders konnte als sich über das unbenutzte und in diesem Zustand offensichtlich nicht angemessen wertgeschätzte Instrument Gedanken zu machen. Irgendwie ergab es sich, dass er auf den Architekten Max-Werner Kahl aus Kronberg (Taunus) aufmerksam wurde, der seit Jahren einen Schwesternorden in Tansania unterstützt. Nach seinen Entwürfen und unter seiner Leitung wurden in Sanya Juu am Fuße des Kilimanjaro eine Internatsschule, eine geräumige Kirche und weitere Gebäude errichtet, zudem leistet er wertvolle Arbeit durch die Einwerbung von Spenden. Ca. 550 Schülerinnen und Schüler werden dort von Schwestern unterrichtet und mit Verpflegung und Unterkunft versorgt. Schnell war klar, dass die kleine Orgel in der Schuleinrichtung als Geschenk willkommen wäre und in der runden Magnificat-Kirche Aufstellung finden könnte. Somit hatte unser Kollege über seine normale Erwerbsarbeit hinaus eine weitere schöne Beschäftigung, bei der ihn die Geschäftsleitung der Firma Mühleisen, aber auch etliche Kolleginnen und Kollegen ideell und auch tatkräftig unterstützten. Das Instrument wurde ihm günstig überlassen, und in den folgenden Monaten wurde es vollständig gereinigt und technisch instandgesetzt, unter anderem die Ventilbeläge erneuert, die Windanlage verbessert und die Teleskophülsen allesamt neu befestigt. Als unser Kollege Lukas Degler gefragt wurde, ob er bereit wäre, das Instrument intonatorisch zu überarbeiten, sagte der spontan zu und initiierte sogar noch den Bau einer zusätzlichen Pedalwindlade mit neuen 16‘-Basspfeifen für die tiefe Oktave. Außerdem wurden alle Register neu intoniert und sogar die Zusammenstellung der Mixtur geändert – sie ist jetzt eine würzige Terzmixtur. Der verbrauchten Kiefernoptik begegneten unsere beiden Kollegen mit einer kraftvoll-fröhlichen Farbfassung und einer Überarbeitung der verbleibenden Holzoberflächen. Das übrige Werkstattteam verfolgte die Metamorphose der kleinen Orgel mit wachsender Begeisterung, und als sich die Arbeiten ihrem Ende zuneigten, waren wir alle von Tansania-Fernweh ergriffen. Der Transport gestaltete sich allerdings als gar nicht so einfach, denn die bürokratischen Hürden erwiesen sich als nicht gering, und die Orgel musste in drei normgerechte Kisten verpackt werden, bevor diese von einer Spedition abgeholt wurden. Um entstandene Kosten abzufedern, wurde eine begleitende Internet-Crowdfunding-Aktion gestartet, die weitere Unterstützer brachte. Nach 12 Wochen Reisezeit kam dann die Bestätigung aus Afrika, dass die Kisten mit den Orgelteilen eingetroffen seien, und im Herbst 2025 flogen Christof Lehnert und Lukas Degler nach Tansania, um das Instrument, das den Transport gut überstanden hatte, in der Magnificat-Kirche aufzustellen, vor Ort klanglich an den Raum anzupassen und mit feierlicher Einweihung und anschließendem Konzert an die Schwestern und ihre Schülerinnen und Schüler zu übergeben. Unsere beiden Kollegen erzählten uns von dem herzlichen Empfang in Sanya Juu, der offenen und freundlichen Lebensart der Tansanier, vom phantastischen Schulprojekt vor Ort und auch vom Reiz und der Schönheit der Natur. Somit war das Projekt auch für uns Daheimgebliebene eine echte Bereicherung, denn der Beruf des Orgelbauers, so sagt man, zieht Idealisten an. Nebenbei bemerkt, kennt Christof Lehnert eine kleine Kirche an der rauen Küste einer abgelegenen nordischen Insel, in der bislang noch keine Orgel steht…
| Copula | 8' |
| Flauten | 4' |
| Octav | 2' |
| Terzcymbel 2f |
| Subbass 1 | 16' |
1 (Deutsch) Das Pedal ist an das Manual angehängt und von C-c° zusätzlich mit 16'-Pfeifen besetzt
Temperierung: Degler 1,5 "symphonisch"