Die traditionsreiche Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ erhielt rechtzeitig zum Beginn des Sommersemesters 2026 eine neue dreimanualige Mühleisen-Orgel in französischer Stilistik. Das Instrument heißt Rolande und wohnt in Raum 315. Wie bei unserer Prager Hochschulorgel sind die Manuale II und III mit einer Wechselschleifenanlage ausgestattet, und das Pedal besteht aus Transmissionsregistern. Zusätzlich zum Schwellkasten für die Manuale II und III gibt es einen Generalschweller für das ganze Werk. Bei früheren Projekten mit charakteristischen Orgeln in kleinen Räumen gesammelte Erfahrungen trugen dazu bei, das gewünschte klangliche Kolorit überzeugend zu erreichen. Auf diesem Weg begleiteten uns Prof. Thomas Lennartz und Prof. Martin Schmeding als beratende Sachverständige. Entsprechend den Wünschen der Hochschule sollte die neue Orgel schwerpunktmäßig für die französische Musik des 19. Jahrhunderts geeignet sein, aber trotzdem auch „Barock können“. Kann das gehen? Mit einer feinfühligen Intonationsweise wurde ein Klang modelliert, der eher an alte Instrumente erinnert – frei und entspannt und ohne aggressive Schärfe. Auf diese Weise kann z.B. das Plenum des Grand Orgue ein festliches Plein Jeu von De Grigny darstellen, Bach sowieso, und im Verbund mit den volumen- und farbgebenden Grundstimmen (wie dem Salicional mit seiner ausgeprägten Harmoniumcharakteristik) erweitert sich der Klang bis zum „gesunden Wohnzimmertutti“. Die Optik des Instruments wirkt durch den Generalschweller naturgemäß schrankartig und geschlossen; dennoch war es uns wichtig, durch Gliederung und Ornamentik ein rundherum gestaltetes Kunstwerk entstehen zu lassen.
Zum Semesterbeginn wurde Rolande von Professoren und Studierenden in einem kleinen Festakt begrüßt (unter anderem mit Reubke), und wir hoffen, dass sie im Verbund mit den anderen qualitätvollen Orgeln der HMT und der Musikstadt Leipzig gute Dienste für die Ausbildung zahlreicher fähiger Musiker*innen leisten und deren Interesse und Freude am Orgelklang intensivieren wird.


I Grand Orgue C-a'''
Quintaton   16'
Montre   8'
Flûte douce   8'
Salicional   8'
Prestant   4'
Doublette   2'
Plein jeu 2-3-f.   1 1/3'
Trompette   8'
II Positif expressif C-a'''
Bourdon 1 8'
Flûte traversière 1 8'
Viole de Gambe 1 8'
Voix céleste (ab c°) 1 8'
Flûte octaviante 1 4'
Dulciana 1 4'
Nazard 1 2 2/3'
Octavin 1 2'
Tierce 1 1 3/5'
Hautbois 1 8'
Tremblant 2
III Récit expressif C-a'''
Bourdon 1 8'
Flûte traversière 1 8'
Viole de Gambe 1 8'
Voix céleste (ab c°) 1 8'
Flûte octaviante 1 4'
Dulciana 1 4'
Nazard 1 2 2/3'
Octavin 1 2'
Tierce 1 1 3/5'
Hautbois 1 8'
Tremblant 2
Pédale C-g'
Soubasse 3 16'
Flûte 3 8'
Basse 3 8'
Flûte 3 4'
Bombarde 4 16'

1 Wechselschleifen zwischen Positif und Récit

2 gemeinsam auf Positif und Récit wirkend

3 Transmissionen

4 Transmission ab c°

Koppeln (alle mechanisch): I/P, II/P, III/P, II/I, III/I, III/II, Sub III
Schweller für II und III, Generalschweller, Absteller für Stoßfänger
Temperierung: Degler I - Gegenwart. Warum hat sich eigentlich noch niemand nach den Centwerten erkundigt?
A 0, B 3, H -1, C 3, CS -1, D 1, DS 1, E -1, F 4, FS -1, G 2, GS -1